Immobilienkaufmann Sascha Rose
Immobilienkaufmann Sascha Rose

Foto: Bernd Friedel
Immobilienkaufmann Sascha Rose, Firma C&S Immobilien, Cornelia Strauß, im Gespräch mit dem Berliner Kurier am 30.12.2013

Berlin –

Menschentrauben, Hunderte Bewerber: Alle kennen die Bilder oder haben’s bei der Wohnungssuche selbst erlebt. Knapp ist das Angebot in In-Vierteln, Konkurrenz und Not sind groß. Wer ein passendes Zuhause will, der sollte unbedingt jetzt zuschlagen!

Markus Gruhn (39) vom Ring Deutscher Makler: „Es ist kaum zu fassen, aber im Winter bleiben Vermieter manchmal auf Wohnungen sitzen, die sonst wie warme Semmel weggehen würden.“ Immobilienkaufmann Sascha Rose (26, „C & S Immobilien“) vermakelt Wohnungen in der Jessnerstraße (Friedrichshain). Szene-Kiez, Bahnhof Frankfurter Allee nur 150 Meter entfernt. 425 Euro Warmmiete für 42 Quadratmeter (7,22 Euro kalt), Zentralheizung, saniert. Nicht schlecht, doch im Moment will keiner die Wohnung haben.

Rose: „Wir boten sie auf mehreren Online-Immobilienportalen an. 210 Bewerber antworteten, zeigten Interesse. Denen schickten wir per E-Mail zwei Besichtigungstermine. Nur ein Bewerber schaute vorbei und der hat eine negative Schufa-Auskunft.“ Offenbar kein Einzelfall. Rose vermittelt auch Wohnungen in Steglitz, Charlottenburg, Neukölln, Mitte: „Es gibt Termine, da kommt gar keiner.“

Gruhn erklärt das saisonale Phänomen so: „Viele gehen erst wieder im Frühjahr auf Wohnungssuche, haben zum Jahreswechsel andere Pläne.“ Hinzu kommen die kurzen Tage. Rose: „Interessenten wollen die Wohnungen im Hellen sehen, Abendtermine fallen weg und es bleibt nur das Wochenende.“ Klar, dass die meisten Mieter in ihrer Freizeit was Besseres vorhaben. Rose: „Morgentermine funktionieren in der Woche erst ab 10 Uhr. Da müssen die Leute arbeiten.“ Der Makler ist optimistisch, die Wohnung in Friedrichshain doch noch an den Mann zu bringen: „Mit dem Mietpreis lässt sich noch was machen …“ SCHA

Berliner Kurier, Montag, 30. Dezember 2013

Immobilienmaklerin Cornelia Strauß
Cornelia Strauß-Bergatt
https://www.mitvergnuegen.com/das-leben-der-anderen/das-leben-der-anderen-10-immobilien-maklerin-cornelia-strauss/#more-36466
Cornelia Strauß, C&S Immobilien Berlin

Man sieht ihr das Geschäft nicht an. Vielleicht gibt es gar kein klassisches Bild von einem Makler, dessen einzelne Attribute man einfach so aufmalen könnte. Aber dennoch, säße Cornelia Strauß einem in der Straßenbahn gegenüber, man würde nicht auf die Idee kommen zu sagen: "Aha! Maklerin! Alles klar." Die 45jährige trägt Jacket und Jeans, die Haare zum Zopf gebunden, sie sieht auch jünger aus als 45, hat einen festen Händedruck und ein großes Schlüsselbund.

Eigentlich hat sie Verlagskauffrau gelernt, später dann, durch eine Trennung, selbst eine Wohnung und einen neuen Job gesucht und bei einer Hausverwaltung als Telefonistin angefangen. Innerhalb von kürzester Zeit wurde sie dort Assistentin der Geschäftsführung und wenn sie dann weitererzählt, kommt man schon kaum noch hinterher. Selbständig gemacht hat sie sich letztendlich 2007.

"Alle denken immer, Makler sein ist easy, aber das ist verdammt viel Arbeit" - denn sie muss Wohnungen und Kunden akquirieren, die schießen ja nicht wie Bäume aus dem Boden, schon gar nicht in Berlin. Sie geht dann in die Wohnung, verschafft sich einen Eindruck, "manchmal muss ich dem Eigentümer ausreden, dass er 12 Euro pro Quadratmeter für das herunter gerockte Hinterzimmer bekommt", fertigt einen Grundriss an, macht Fotos und bringt das alles in einem Exposé an den Mann oder die Frau. Mietwohnungen machen ihr am meisten Spaß. Die gehen schnell und man bekommt am meisten von den Menschen mit: "Ich meine, da geben mir Eltern das Zuhause ihrer Kinder in die Hand, das freut mich schon".

Aber braucht man überhaupt einen Makler? "Du brauchst mich dafür, dass du bekommst, was du suchst. Und dein Vermieter braucht mich, damit er sich sicher fühlt. Ich sichere in beide Richtungen die Unterlagen, Konditionen und Verträge ab." Cornelia Strauß hat selbst zwei Zuhause, eines für die Woche und den Arbeitsmodus und eines für das Familienleben am Wochenende. Sie habe da selbst ein eher unkonventionelles Verhältnis zum Thema Wohnen, aber "man kann sich dann auch gut in verschiedene Kunden und ihre Situationen hineindenken".

Wie ist das, wenn man in Berlin sagt, man sei Makler von Beruf? "Nicht schön" sagt Cornelia Strauß. Es gäbe solche und solche. "Die einen hängen an dir, weil sie denken, du schwimmst in Geld, die anderen verachten dich." Sie geht damit um, indem sie ihren Beruf nicht an die große Glocke hängt. In der Regel halte sie sich komplett zurück, da sage sie vor allem, sie beschäftige sich mit Immobilien. Das Wort 'Maklerin' vermeidet sie. Als sie bei der Bäckereikette Ostrowski, bis zum Verkauf an Kamps, die Expansion leitete, da habe sie auch nicht gesagt, sie sei auf der Suche nach Ladengeschäften. "Ich habe einfach gesagt, ich arbeite beim Bäcker. Und dann hat sich die Spreu vom Weizen getrennt, ich hatte häufig meine Ruhe."
Jeder Tag in ihrem Beruf verlaufe anders, deswegen mache sie ihn immer noch gern: "Ich bekomme immer mit, wenn etwas Neues anfängt, das ist schön". Weniger schön ist ihre Prognose für Berlin: "Der Berliner an sich wird auf der Strecke bleiben, weil er die Angewohnheit hat, lange zu überlegen, bevor er Ja sagt zu einem Ort. Da sind große Investoren und Käufer aus dem Ausland häufig schneller. Die müssen eine Wohnung oft nicht einmal sehen, um sich zu entscheiden." Das hört der Berliner nicht gern. Und hofft auf etwas Neues, dass so aber nicht mehr kommen wird. „Berlin ist im Wandel und wer den Zuschlag für die Immobilie letztlich erhält entscheidet leider nicht der Makler, sondern der Anbieter an sich.“